Das Meerwasseraquarium 7, Der Kalkreaktor und die Nährstoffversorgung.

Herzlich willkommen zum nächsten Teil unseres Meerwasser-Blogs. Im heutigen Beitrag befassen wir uns mit dem Kalkreaktor sowie der Nährstoffversorgung in Form von Zugabe von Calcium, Magnesium und Mikronährstoffe.


Kurze Zusammenfassung von Teil 6

Im vorherigen Teil 6 haben wir uns mit der Filteranlage und dem Eiweißabschäumer beschäftigt. Wir schauten uns die Filterung im Betrieb an und zeigen wie aus Leitungswasser Osmosewasser hergestellt wird um es dann mit Meersalz in Seewasser zu verwandeln.

In diesem 7. Teil möchten wir nun eine weitere wichtige Komponente zur Aufbereitung des Wassers für unser Meerwasseraquarium verstellen: den Kalziumreaktor. Kalzium wird zum Skelettaufbau der Korallen und daher ständig im Aquarium benötigt. Es gibt natürlich verschiedene Ansätze das Kalzium dem Aquarium zuzuführen, eine ist der Einsatz eines hier nun beschriebenen Kalkreaktors.

Der Kalkreaktor / Calziumreaktor KR-400 zur Dosierung von Kalzium

KR 400
KR 400

Korallen benötigen für Ihren Skelettaufbau Calciumcarbonat welches sie dem Wasser ständig entziehen. Somit gelangt das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht des Wassers im Aquarium ständig aus dem Gleichgewicht und muss kompensiert werden.

Anfang der Neunziger Jahre entwickelte Rolf Hebbinghaus - damals Mitarbeiter des Düsseldorfer Löbbecke Museums und dessen späterer Leiter - das Prinzip des Kalkreaktors.

Das Funktionsprinzip

In einem geschlossenen Reaktor wird Hydrogencarbonat (ein sehr reines Calciumcarbonat) eingefüllt. Alternativ kann auch Korallenabbruch verwendet werden. Es ist jedoch hier vor allem auf ein reines Material zu achten, da ansonsten schnell unerwünschte Schadstoffe in das Wasser gelangen könnten. Ich empfehle hier ausschließlich auf Produkte namenhafter Hersteller zu setzen.

CA-Reaktor
CA-Reaktor

Das im Reaktor befindliche Hydrogencarbonat wird mit Hilfe von CO2 gelöst so dass eine Calciumhydrogencarbonatlösung entsteht. Diese wird bei Bedarf über eine Dosierpumpe in den Filterkreislauf eingespeist. Zur Herstellung der Lösung verfügt der KR-400 über eine Umwälzpumpe die das Gemisch im Reaktorinneren ständig in Bewegung hält.

Der Bedarf

Korallen verbrauchen nicht zu jeder Zeit die selbe Menge Calciumcarbonat. Es macht also Sinn den Bedarf mit unserem GHL ProfiLux 3.1T zu ermitteln. Hierzu messen wir den pH-Wert im Aquariumwasser. Verbrauchen unsere Korallen das Calciumcarbonat steigt der pH-Wert an. Der ProfiLux stellt diesen Anstieg fest und schaltet die Dosierpumpe (hier eine SP-3000 von Aqua-Medic) ein. Die Dosierpumpe drückt Aquarienwasser aus dem Filterbecken in den KR400 und befördert so die Lösung in den Wasserkreislauf. Nach Erreichen des Sollwertes wird die Dosierpumpe wieder angehalten.

Lösung im Reaktor

Um das Calziumcarbonat im Reaktor zu lösen benötigen wir CO2. Hier sollte ein pH-Wert von ca. 6,0-6,5 vorherschen. Um diesen stabil zu halten messen wir mit einer 2. pH-Sonde den Säuregehalt im Calziumreaktor. Steigt dieser nach Entnahme der Lösung (durch Zufuhr von Aquarienwasser) an schaltet der ProfiLux das Magnetventil unserer CO2-Anlage ein und führt CO2 in den Reaktor ein.

Wichtig bei Einsatz dieses Verfahren ist Anfangs eine stabile Karbonathärte von mind. 6-7.

Der Calciumgehalt sollte im Meerwasserquarium bei ca. 400-420 mg/l) liegen.

Die Dosieranlage und Nährstoffversorgung des Aquariums

Dosieranlage
Dosieranlage im Überblick

Korallen benötigen eine Versorgung mit Nährstoffen. In unserem Beispielaquarium kommt das SANGOKAI-System zum Einsatz, dass während der 5 wöchigen Einlaufphase von Hand dosiert wurde.

Das SANGOKAI Basic-System beinhaltet verschiedene Lösungen mit Mikronährstoffen, die so auch in der Natur vorkommen und unsere Korallen mit den lebenswichtigen Bestandteilen versorgen.

Zur optimalen Eingewöhnung der Korallen an die neue Nährstoffversorgung beginnt man mit kleinen Dosen, deren Menge kontinuierlich angepasst wird. Nachdem die Versorgung dann ihr normales Niveau erreicht hat habe ich auf eine vollautomatisierte Versorgung mittels der GHL Dosieranlage Doser 2 umgestellt.

Aufbau des Basic-System

Das Basic-System beinhaltet 5 Lösungen:

  • Komponente 1 "Nutri-Amin" (Stockstoff-Mikronährstoffe), Dosierpumpe 1
  • Komponente 2 "Nutri-Element" (Organische-Mikronährstoffe), Dosierpumpe 1
  • Komponente 3 "Nutri-Spur" (Spurenmetallversorgung), Dosierpumpe 1
  • Komponente 4 "Mineral" (Mineralstoffe), Dosierpumpe 2
  • Komponente 5 "Geos" (Bio-Aktivator), Dosierpumpe 3
  • Aqua-Medic Magnesium, Dosierpumpe 4

Neben den Mikronährstoffen ist Magnesium einer der wichtigsten Wasserbestandteile für ein gesundes Korallenwachstum. Der Magnesiumgehalt sollte zum Calcium im Verhältnis von 3:1 vorliegen womit er bei ca. 1200-1300 mg/l ideal wäre.

Der Doser 2

Doser
Doser 2

Um die Nährstoffkomponenten und das Magnesium regelmäßig nachzudosieren kommt bei unserem Aquarium der Doser 2 Slave von GHL zum Einsatz. Der Doser 2 beinhaltet 4 Dosierpumpen welche sehr genau arbeiten, einzeln kalibriert werden können und über den ProfiLux 3.1T angesteuert werden.

Einstellungen

Dosiereinstellungen
Dosiereinstellung im ProfiLux

Im ProfiLux Control Center kann jede Pumpe einzeln eingestellt werden. Sowohl die Dosiermenge wie auch Tag, Uhrzeit und Füllstand des Vorratsbehälters inkl. Mindeststandsmeldung können individuell eingestellt werden.

Am Ende der Dosierung zieht unser ProfiLux die dosierte Menge vom Füllstand ab und gibt bei Erreichen der voreingestellten Mindestmenge eine Meldung.

Über das MyGHL Center können die Füllstände weltweit kontrolliert und manuelle "Sonderzugaben" ausgelöst werden.

Magnetic Stirrer

Der Magnetic Stirrer ist ein Magnetrührwerk, dass ein routierendes Magnetfeld erzeugt. Auf ihm steht das Vorratsbehältniss mit der entsprechenden Lösung. In die Lösung wird ein kleiner Kunststoffpin mit einem Metallkern geworfen. Dieser wird durch das routierende Magnetfeld in eine Drehbewegung versetzt, so dass die Lösung aufgemischt wird und abgesetzte Stoffe vor der Dosierung frisch vermengt werden. Der Magnetic Stirrer ist an unserer Anlage so eingestellt dass er 90 sec. vor sowie während der gesamten Dosierzeit die Lösung durchmischt. Im Folgenden Video wurde dieser Vorgang zu Demozwecken verkürzt.

Aufteilung und Aufbereitung der Lösungen

Um unsere 6 Lösungen ideal auf die 4 Dosierpumpen verteilen zu können machen wir uns einen kleinen Trick zu nutze. Wir mischen die SANGOKAI Komponenten 1-3 (je 100 ml) in der Vorratsflasche und füllen diese zur besseren Dosierbarkeit mit Osmosewasser auf. Die nun entstandenen Lösung hat 900 ml und somit das Verhältnis 1:3.

Wenn wir nun die 3-fache Menge dosieren, erhalten wir eine noch genauere Dosierung da wir Toleranzen optimal ausgleichen können.

In die weiteren Flaschen 2-4 geben wir nun jeweils 100 ml der SANGOKAI Komponenten 4 und 5 sowie das Aqua-Medic Magnesium, verdünnen jedes im Verhältnis 1:10 und stellen im Anschluss die 10-fache Dosiermenge ein.

Damit die Komponenten sich jeweils im Aquarium gut verteilen können wurden die täglichen Dosierungen mit je 1 Stunde Zeitversatzt programmiert, so dass sich jede Lösung nach Einspeisung ideal im Aquariumwasser lösen kann.

Übersicht der bisherigen Blogbeiträge unserer Serie "Das Meerwasseraquarium":